Ernährungsexperiment - Fortsetzung
 
Vor zwei Wochen wagte ich zum ersten Mal bei der Essenszubereitung einmal darauf zu achten, vollständig auf irgendwelche Zusatzstoffe wie GEschmacksverstärker, Konservierungsstoffe oder Fertigprodukte zu verzichten. Nun, ich scheine es ganz gut überstanden zu haben, zumindest geht es mir nicht schlechter als davor. Gut, eine Kollegin meinte, ohne Glutamat sei ich sehr viel gereizter als mit Glutamat im Essen ... kann aber gar nicht sein, ich bin immer gereizt „smile“-Emoticon ... zumindest immer, wenn ich Hunger habe, müde bin oder ... na ja, soll hier nicht weiter vertieft werden.
 
Heute nun ein weiterer Versuch:

vegetarisches Schaschlick

Zunächst einmal ein paar Worte dazu, warum "vegetarisch". Ich bin nach wie vor kein Vegetarier obwohl Fleisch und Wurst seit jeher nur selten bei mir auf den Tisch kommen. Immer wieder erlebe ich jedoch, dass ich mit einem ziemlich abwertenden Ton genau dieses gefragt werde: "Bist Du Vetetarier?" 
Nun sei hier zunächst einmal festgestellt, dass eine fleischlose Ernährungsweise weder eine Krankheit noch ein Stigma ist. Warum aber dann diese Abwertung für diese Art sich zu ernähren? Ich vermute, es ist eine Mischung aus "ich hab Angst vor allem was anders ist" und "der hat doch einen an der Waffel". Schade eigentlich, dass in unserer ach so aufgeklärten Gesellschaft noch immer nicht angekommen ist, dass die Unterschiedlichkeit doch eingentlich das Normale ist. Stattdessen versuchen wir immer alles zu klassifizieren und in Schubladen zu packen. Und alles was nicht passt gilt als nicht normal.
 
Meinen Fleischkonsum schränke ich seit Jahren immer stärker ein. Warum? 
Zum Einen, es schmeckt mir einfach nicht oder nicht immer. Gerade im Alltag, von der Arbeit gehetzt, braucht man schnell etwas für die Mittagspause, und, auch wenn nicht empirisch belegt, finde ich, Fleisch macht am Nachmittag dann träge und liegt einfach schwer im Magen.
 
Zum Anderen aber auch aus folgendem Grund: mein Weg zur Arbeit führ täglich über fast 40 KM Autobahn. Da unweit von Karlsruhe einer der größten Schlachthöfe Deutschlands produziert, führt mein Weg auf der Autobahn häufig an Tiertransporten vorbei. Erst letzte Woche wieder ... die Lüftungsklappen waren offen, kamen mir diese kleinen Schweineschnauzen entgegen ... ob die wohl wissen, wohin ihre Reise geht? Auch wenn ich weiß, dass das Schlachten von Tieren zur Ernährung der Menschen dazugehört seit diese auf dieser Welt sind, denke ich doch, dass dieses industrielle Töten unwürdig und unmenschlich ist. Es geht nicht darum, Fleisch aus unserem Leben zu verbannen. Wären wir alle aber zu einem etwas maßvollerem Konsum bereit und würden Discountangebote a la Geiz ist geil liegen lassen, hätte diese industrielle Vernichtung von Lebewesen bald ein Ende.
 
So viel zum moralischen Aspekt des Ganzen. Nun aber wieder zum Konkreten "Experiment" von heute.
 
Auch heute war die Zubereitung ohne Hilfe von irgendwelchen chemischen Zusatzstoffen geplant, zusätzlich aber auch noch Schaschlick ohne Fleisch, erstetzt durch Tofu.
 
Allerdings unterlief mir heute ein kapitaler Fehler: 
Für die Sose dünstete ich zunächst Zwiebeln und Knoblauch an und fügte dann Tomatenmark zu. Soweit noch alles im grünen Bereich. Dann füllte ich das ganze mit Gemüsebrühe auf. Uuups ... Fehler im System ... obwohl "Bioqualität" waren dort Geschmacksverstärker enthalten. OK, ich gestehe, hier musste ich dann eben durch. Am Sonntag konnte ich halt nicht einfach schnell noch was anderes einkaufen gehen. Die Sose nur noch mit Paprika, Cayenne Pfeffer und Pfeffer würzen und einköcheln lassen.
 
Die Schaschlickspieße bestanden dann aus Würfeln aus Räuchertofu, Gemüsepaprika, Zwiebeln und Zucchiniwürfeln. Mit Paprika (reichlich) gewürzt und in Öl angebraten ... dann ab in die Sose und fertig.
Als Beilage gabs auf die Schnelle einfach Couscous
 
Fazit: ich muss dringend an der Salzmenge arbeiten ... war mal wieder etwas viel. Im Großen und Ganzen aber, wie ich finde, eine recht gelungene Alternative zum klassischen Schaschlick, wenn gleich ich mich an Tofu erst noch so richtig gewöhnen muss ... aber da werde ich noch weiterexperimentieren und ehrlich ... ich habs mir extremer vorgestellt. Es war lecker und ich bin satt.
Ich gehöre sicher nicht zu denjenigen, die ihr gesamtes Leben in die Öffentlichkeit tragen. Zuweilen neige ich jedoch dazu Selbstversuche durchzuführen, deren Ausgang völlig unklar ist, worüber ich dann doch meine Um- und Nachwelt informieren sollte.
 
So frage ich mich gelentlich, ob mein Körper überhaupt noch Essen ohne Zusatzstoffe, Geschmacksverstärker und Konservierungsstoffe verträgt.
 
Ich hab es heute mal ausprobiert.
 
Gestern beim Wochenendeinkauf erfasste mich eine koch-kreative Welle und ich wollte mal wieder versuchen richtig frisch, also ohne Glutamat, TK- oder Konservenware durch das Wochenende zu kommen. Auch bin ich bei weitem kein Vegetarier, jedoch stehen Fleisch und Wurst doch eher selten bei mir auf dem Speiseplan.
 
Herausgekommen ist nun folgendes:
 
eine Art

vegetarisches "Mousakka"

Kartoffel- und Zucchinischeiben in eine Auflaufform geschichtet, eine dicke Lage aus Couscous, in Kokosmilch mit Bärlauch und Oregano zubereitet, wieder eine Schicht aus Kartoffel- und Zucchinischeiben, mit Feta-Käse bestreut und im Ofen überbacken. Nur noch etwas Salz und Pfeffer - fertig.

lauwarmer Spargelsalat

aus grünem Spargel (der weiße war mir einfach zu teuer) auf Ruccola, gebratenen Champignons und Kirschtomaten mit einem Limetten-Dressing und gerösteten Cashew-Kernen.
 

Fazit:

  • Salatdressing viel zu sauer, etwas weniger Salz hätte auch gereicht.
  • Die Zucchini und Kartoffeln waren irgendwie etwas fad im Geschmack und vom Bärlauch war kaum noch was zu schmecken. Auch passt der Feta-Käse nicht unbedingt zu dem Rest. 
  • Ich bin jetzt "satt" ohne "voll" zu sein. 
und ...
... meine Küche sieht aus ... muss wohl grundsaniert werden.
 
OK, mit den Gewürzen muss ich noch üben, da hab ich schon Ideen für das nächste Mal. Die Küche ist aber die wahre Leidtragende.
 
Bleibt nur noch abzuwarten, was diese, alle so wohlvertrauten chemischen Zusatzstoffe entbehrende Ernährung für langfristige Folgen haben wird ... ich werde es sehen.